Der Karnische Höhenweg Teil 2

Der Karnische Höhenweg oder „Friedensweg“ (KHW 403) führt den gesamten Karnischen Kamm entlang, der an der Grenze zwischen Österreich und Italien verläuft.

Der Karnische Höhenweg Tag 1 – Die Anreise 

Trailkilometer 9,6 – 1567 hm

Es ist Sonntag, der 20.08. 17  – 7:40 Uhr. Ich stehe am Münchner Ostbahnhof und warte auf meinen Zug. Der Eurocity soll mich über den Brenner nach Italien bringen, wo ich dann im Regionalzug nach Silian in Osttirol weiter fahren werde.

Ich habe mir ein 1. Klasse Ticket und eine Sitzplatzreservierung gegönnt, zum Glück! Als ich in den Zug einsteige und mein Abteil betrete, sehe ich, dass mein Platz schon besetzt ist. Ich bitte die Dame, den Platz frei zu machen, was sie auch anstandslos getan hat. Auf der Fahrt nach Italien erfahre ich, dass am Samstag aufgrund eines Unwetters keine Züge von München in Richtung Italien gefahren sind. Entsprechend voll ist der Zug heute. Leider müssen viele Reisende in der ersten und zweiten Klasse stehen.

Gegen 11 Uhr erreiche ich meinen Umteigebahnhof kurz hinter dem Brenner und nehme die Regionalbahn Richtung Osttirol. Um 12:30 Uhr erreiche ich den kleinen Bahnhof von Silian. Ich gönne mir in aller Ruhe noch einen Kaffee und starte dann Punkt 13 Uhr den Aufstieg Richtung Silianer Hütte.

Ich nehme den Weg über den Heimatsteig in Richtung Silianer Hütte. Von der Draubrücke in Silian schlängelt sich der Weg über Fostwege und später über Single Trails in Richtung Kammhöhe. Der Weg führt entlang eines Gebirgsbachs, der aus einer naheliegenden Quelle entspringt. Der Weg ist steil, aber einfach traumhaft. Kurz vor den Kammhöhe zweigt schon der kleine Steig zum Heimkehrerkreuz ab, den ich aber erst mal links liegen lasse.

Auf der Kammhöhe wird es auf einmal empfindlich kalt. Von den Dolomiten zieht ein eisiger Wind her, sodass ich erst einmal meine Jacke anziehe, bevor ich überlege wo ich als nächstes hin gehe. 

Für mich ist es noch zu früh um auf die Hütte zu gehen, denn ich bin ja gerade mal etwas über eine Stunde unterwegs. Zu meiner Rechten liegt der „Helm“(2434m), ein sehr einfacher und auch gut bevölkerter Gipfel. Während ich mir noch so über die Menschenmassen Gedanken machen, die mir hier entgegen kommen  habe ich den Gipfel, auf den sogar ein altes Häuschen steht, bereits erreicht.

Hier geht es zu wie auf dem Bahnhof, in allen Sprachen und Dialekten unterhalten sich die Menschen hier oben. Lange will ich hier nicht bleiben, nach einem kurzen Fotostopp, verlasse ich den Helm über meinen Anstiegsweg und folge dem Trail bis zum Abzweig in Richtung Heimkehrerkreuz.

Unschwierig steige ich über kleine Steinstufen zum Kreuz auf. Hier ist es deutlich ruhiger, lediglich zwei MTB´ler liegen am Gipfel in der Sonne.  Ich setzt mich auf einen Stein und genieße die Aussicht und die Ruhe hier bei traumhaften Sonnenschein.

Zusammen mit den beiden MTB Jungs aus Brixen sitze ich dann später auf der Silianer Hütte beim Abendessen und wir unterhalten uns über die Berge und die unterschiedlichen Vorhaben, die wir für die nächsten Tage geplant haben.

 

Der Karnische Höhenweg Tag 2 – Silianer Hütte  zur Porzehütte 

Trailkilometer 22,5 – 1507 hm

Es ist kalt heute früh, sehr kalt sogar. Das Thermometer zeigt -2 Grad an. Um Punkt 7 Uhr mache ich mich auf den Weg. Eine wunderschöne Etappe liegt vor mir. Der Wanderführer verspricht auf den ersten 9 km eine „wenig anstrengende Etappe“. Naja, wir werden es sehen.

Ich gebe gas, ich bin als erster von der Hütte gestartet, der Trail gehört also mir alleine. Den ersten Gipfel, auf dem Weg, den Hornischegg, lasse ich aus. Das hätte ich nicht getan, wenn ich gewusst hätte, dass ich diesen hätte übersteigen können. Naja als ich das gesehen haben, war es schon zu spät. Kurz vor und kurz nach dem Hochgrätensee, auf der Passage zwischen dem Demut (2591 m) und dem Eisenreich (2665 m) kommt dann doch die eine oder andere luftige Passage. Trittsicher und etwas schwindelfrei sollte man schon sein, vor allem an einer kleinen „Brücke“ die mich um einen Felsvorsprung rum führt. Auch den Demut lasse ich aus, den kleinen Abstecher auf den Eisenreich nehme ich allerdings mit. Ein Gipfel ohne Kreuz, aber mit einer wunderschönen Aussicht in die Dolomiten auf der einen und in die Gailtaler Alpen auf der anderen Seite.

Der weitere Weg bis zur Obstansersee Hütte ist unschwer zu laufen. Jetzt muss ich eine Entscheidung, bezüglich des weiteren Wegs, treffen.

Variante A: Führt über das Roßkopftörl (einfacher Aufstieg) und einen steilen und langen Abstieg über eine Grasflanke zur Tscharrhütte (Notunterstand) und dann auf einem leichten Weg zur Filmoorhütte.

Variante B: Führt über den Gipfel der Pfannspitze, an der Kinigat (Gipfel) durch ein Schotterfeld vorbei (gesicherter Aufstieg möglich) zum Filoorsattel und dann zur Filmoorhütte.

Ich bin mittlerweile schon beide Varianten gegangen und finde beide schön, anspruchsvoller  ist Variante B!

Die Filmoorhütte ist eine kleine, aber doch sehr sympathische Hütte, die meist von einer jungen Hüttencrew bewirtschaftet wird.

Ich setze meinen Weg nach einer Ingwer/Hollerschorle weiter fort, denn bis zur Porzehütte sind es noch knapp 7 km. Zuerst führt mich der Trail bergab zu den Stuckseen, über eine Kuhweide vorbei am oberen Stucksee, der mich leicht ansteigend zum Heretriegel führt. Beim Aufstieg werde ich von ein paar Schafen begleitet, die immer wieder vor mir her laufen.  

Von hier aus kann man bergab zum Klapfsee blicken und einmal durchatmen. Hier wäre nun ein Abstieg zum See und ein Aufstieg auf der gegenüberliegenden Seite zur Porzehütte möglich. Allerdings gibt es auch einen Weg, der  weniger  Höhenmeter bereit hält, aber dennoch nicht schneller ist. 

Ich verlasse die Scharte nach rechts und laufe einige Zeit auf der Hochfläche entlang, bis zu einem Strommasten. Leider verschandeln diese hässlichen Starkstromleitungen das wunderschöne Panorama hier, aber naja! Hier geht es über eine kurze, seilgesicherte Passage durch eine Rinne bergab. Nun ist es nicht mehr weit, der Steig wird immer breiter und nach kurzer Zeit bin ich an der Porzehütte angekommen.

Eigentlich folgt nun täglich der gleiche Ablauf. Beim Wirt melden, Schlafplatz zugeteilt bekommen, 3 € für 3 Minuten warmes Wasser zahlen, kurz duschen, Abendessen, etwas Smalltalk mit den Tischnachbarn und ab ins Bett.

Man könnte jeden Tag  mit den Worten „Run – Eat – Sleep- Repeat“ beschreiben.

 

Der Karnische Höhenweg Tag 3 – Porzehütte – Hochweißsteinhaus  

Trailkilometer 19  – 1526 hm

Für die Wanderer des Karnischen Höhenwegs steht heute die Königsetappe an. Es soll die schwierigste und längste Wanderetappe das Karnischen sein.

Es stehen 2 verscheidene Wegführungen zu Auswahl. Während die Kammroute, immer auf bzw. leicht unter dem Grenzkamm verläuft, ist diese zwar die  kürzere aber deutlich aussichtsreichere Strecke und bietet bei schönem Wetter grandiose Weitblicke. Allerdings wartet diese Strecke auf mit einigen luftigen und seilgesicherten Passagen auf, die Trittsicherheit und ein bisschen Schwindelfreiheit bedingen. Bei Gewitter und schlechtem Wetter würde ich von dieser Variante abraten.

Die 2. Varianten führt über zauberhafte kleine Almen entlang des Malghenwegs, auf der italienischen Seite entlang bis Malga Antola, einer noch recht urtümlichen Almhütte. Hier könnte man natürlich nach 18 km sein Nachtquartier aufschlagen. Ich würde als Trailläufer aber noch die weiteren 10 km auf mich nehmen und über das Hochalpjoch bis zum Hochweißsteinhaus laufen.

Da das Wetter perfekt ist, entscheide ich mich natürlich für die Kammvariante. Ich möchte den Tag heute als „Ruhetag“ nutzen und die Aussichten genießen, auch wenn ich von den Wanderern für diese Aussage durchweg belächelt oder etwas blöd angeschaut werde.

Der erste Wegteil  von der Porzehütte bis zum Tillacher Joch ist unschwer, ein paar leichte Trails und ein Schotterweg führen uns nach oben. Wer noch etwas Geschichte, in Form von Kriegsstellungen aus dem 1. Weltkrieg, mitnehmen möchte, der macht am Tilliacher Joch den Abzweig nach rechts.

Linkerhand geht es nun bergauf zum ersten Gipfel dem Bärenbadeck auf 2430 m. Der Weg führt über Grashänge und die eine oder andere leicht luftige Stelle hinauf. Nun verläuft der Weg teilweise auf den Grat oder knapp darunter,  abwechselnd Nord- und Südseitig.

Zu meiner rechten im Tal  sehe ich immer wieder den Malghenweg, allerdings ist ein Abstieg nicht möglich. Die Entscheidung für die eine oder andere Variante muss man bereits am Tillacher Joch treffen.

KHW Etappe 3 KammwegAuf der Kammvariante passiere ich nun die Kesselscharte, wo ein Abstecher zum „Spitzköfele“, einem Nachbargipfel, möglich wäre. Ich verzichte darauf und setze meinen Weg über den Sattel des Reiterkarspitz, dem Winklerjoch bis zum Hochspitzjoch fort. Wenn das Wetter umschlagen sollte, gäbe es hier einige Abstiegsmöglichkeiten ins Gailtal.

Ab jetzt beginnen die anspruchsvolleren Teile der Etappe. Der Aufstieg zum Hochspitz schaut von unten gewaltiger aus, als er tatsächlich ist, aber der Kopf spielt ja auch immer mit. Über einen schmalen, aber doch ausreichend breiten südseitigen Singeltrail steigt der Weg auf. Dann folgen zwei seilgesicherte Rinnen, die zwar etwas Kraft erfordern, aber nicht schwierig sind. Danach haben wir freie Sicht zum Gipfelkreuz. Wer möchte kann das Gipfelerlebnis mit  einem ca. 10 minütigen Anstieg mitnehmen.

Der Weg führt jedoch unterhalb des Gipfels weiter, wo uns ein Singletrail südseitig weiterführt. Bis zur Steinkarspitze warten noch 2 seilgesicherte Querungen und ein etwas steiler Abstieg über eine Grasflanke.

Nach der Steinkarspitze wechselt der Weg auf die Nordseite. Laut Wanderführer ist dieser Weg „ausgesprochen genussvoll“. Das mag schon sein, ich finde jedoch dass sich dieser Teil der Stecke als der gefährlichste herausstellt. Der Weg ist recht ausgesetzt und zu meiner Linken fällt das Gelände steil ab. Also hier ist nochmal  höchste Aufmerksamkeit gefordert, denn stolpern sollte man hier nicht und eine Seilsicherung gibt es nicht.

Nachdem dieser Abschnitt hinter mir liegt folgt ein einfacher Abstieg zum Luggauer Törl, der richtig Spaß macht. Selbst die Murmeltiere lassen sich hier von den Läufern und Wanderern nicht stören und tummeln sich auf der Wiese neben dem Wanderweg.

Das Hochweißsteinhaus ist schon in Sicht. Um dort hin zu kommen, gibt es 2 Wegvarianten. Eine sehr einfache, die uns ins Frohntal absteigen lässt (Wegweiser etwas schwer zu sehen) und über einen Gegenanstieg wieder rauf zur Hütte führt. Alternativ gibt es den Weg der ohne große Höhenunterschiede rechtseitig entlang der Torkarspitze zur Hütte führt. Hier warten nochmal 2  einfache Seilsicherungen und schöne Singletrails in leichtem bergauf – bergab auf  mich. 

Am Hochweißsteinhaus angekommen, wartet das allabendliche Prozedere auf mich.

Tipp: Wer jetzt noch nicht genug hat, der kann noch ein schönes Gipfelerlebnis mitnehmen. Der „Monte Peralba“ (Hochweißstein) liegt direkt vor uns. Eine 7,5 km lange Rundtour  mit ca. 800 hm im Auf-und Abstieg ermöglicht nochmal eine wunderschöne Aussicht. Wer über den Malga Antola Weg kommt, muss gar nicht erst zum Hochweißsteinhaus absteigen, sondern  kann gleich am Hochalpjoch den Abzweig zum „Monte Peralba“ nehmen.

 
Der Karnische Höhenweg Tag 4 –  Hochweißsteinhaus – Gasthof  Valentinalm   

Trailkilometer 23  – 1550 hm

Es ist Mittwoch Früh, kurz nach 7 Uhr. Wie jeden Morgen verlass ich die Hütte als erster. Heute wartet eine wunderschöne Etappe auf mich, auf die ich mich in der Vorbereitung schon sehr gefreut habe. Vom Hochweißsteinhaus wartet ein kurzer Aufstieg zum Öffner Joch auf mich. Nun geht es auf der italienischen Seite, entlang urtümlicher Almen, die teils aber auch verfallen sind und durch wunderschöne Lärchenwälder. Allerdings ist der Karnische Höhenweg hier nicht ganz so gut markiert (Web 140 und 142). An den Abzweigungen muss ich immer genau schauen, das ich nicht falsch laufe. Nach den Almen beginnt der Anstieg zur Sella Sissianis zuerst über einen kleinen einfachen Steig, dann über eine Grasflanke. Nach einem kurzen Abstieg folge KHW Etappe 4 ich dem Wegweiser zum Giaramondopass. Kurz bevor ich die Passhöhe erreiche, gilt es noch ein Schotterkar zu queren, was aber aufgrund des guten Steigs kein Problem darstellt. An der Passhöhe zweigen verschiedene Wege ins Lesachtal ab. Ich freue mich aber schon auf den Wolayersee, wohl das heimliche Highlight des kompletten Wegs.

Der Abstieg vom Giramondopass  zur oberen Wolayeralm  verläuft zunächst recht steil in Serpentinen durch eine Grasflake , quert dann auf einem Steig ein Waldstück und führt auf dem letzten Stück durch groben Schotter.

An der oberen Wolayeralm treffe ich auf ein paar Wanderer, die mich, wie so oft in den vergangenen  Tagen,  etwas verdutzt ansehen, als ich Ihnen erzähle, dass ich in 2,5 Stunden vom Hochweißsteinhaus hier her gelaufen bin.

Der restliche Aufstieg zum Wolayersee ist unschwierig denn er verläuft über  einen breiten geschotterten  Almweg. Dann habe ich Ihn erreicht, den wohl schönsten Bergsee auf dem Karnischen. Ich setzte  mich auf die Terasse der Wolayersee Hütte und lasse mir eine Saftschorle schmecken, während ich die Aussicht auf dieses  Naturjuwel genieße.

Heute will ich mir auf jeden Fall ein Gipfelerlebniss gönnen. Zur Auswahl stehen die „Hohe Warte „mit 2780 m der höchste Gipfel der Karnischen Alpen oder der Rauchkofel ein 2460 m hoher Grasberg mit schöner Rundumsicht.

Ich entscheide mich für den Rauchkofel, der deutlich leichter zu besteigen ist, aber dennoch eine gewaltige Aussicht in alle Richtungen bietet. Der Aufstiegsweg beginnt hinter der Wolayersee Hütte und ist unschwierig. Nach ca. 1 Stunde habe ich den Gipfel erreicht, die letzten Meter sind mit einem Seil gesichert.

Der Abstieg zum Valentinstörl verläuft erst auf dem Aufstiegsweg und wendet sich dann nach links, an einer Almwiese vorbei. Dann gilt es einige kleine Kraxelstellen zu überwinden bis das Valentinstörl erreicht ist.

Ab hier ist Schluss mit der herrlichen Ruhe. Der Weg von der Valentinalm zum Wolyaersee ist sehr einfach und gut zu erreichen, so dass hier viele Tageswanderer unterwegs sind. Rechts thronen die Wände der Hohen Warte, in denen mitten im Sommer noch Altschneefelder hängen, rechts von mir befindet sich der Rauchkofel. Der Weg ist mit  Schotter durchzogen und ich lasse es Laufen. Hier ist mir definitiv zu viel los und ich will eigentlich nur weg. 

Nach ca. 6 km erreiche ich den Gasthof Valentinalm. Zur Abwechslung ist diese keine AV Hütte sondern ein privat betriebener Gasthof der sowohl Zimmer als auch ein bzw. 2 Schlafsäle anbietet. Ich habe ein Bett im Schlafsaal gebucht und bekomme gleich die erfreuliche Nachricht, dass ich den ganzen Saal für mich alleine habe, quasi ein Einzelzimmer. Was für ein Luxus, nachdem die Hütten  alle bis auf den letzten Platz belegt waren. Zusätzlich kann ich hier warm  duschen, ohne etwas bezahlen zu müssen.

Nach einem relaxten Nachmittag im Liegestuhl auf der Terrasse des Gasthofs gönne ich mir ein sehr leckeres Abendessen bevor ich mich zum Schlafen zurück ziehe.

 

Der Karnische Höhenweg Tag 5 –  Gasthof Valentinalm  – Zollnerseehütte  

Trailkilometer 22  – 2172 hm

Durch die Almen- und Käseregion: Das Landschaftsbild ändert sich völlig! War ich in den ersten 4 Tagen viel in großen Höhen und alpinem  und steinigem Gelände unterwegs, so dominieren jetzt Almflächen und Wiesen. Jedoch bietet dieser Streckenteil fast mehr Gipfelerlebnisse, wenn man das möchte.

Die heutige Etappe beginnt für mich um 8 Uhr. Wie immer  bin ich der erste, der die Unterkunft verlässt. Welche Gipfel ich heute mitnehmen möchte, entscheide ich spontan. Die heutige Etappe verspricht wieder sehr einsam zu werden, was mir sehr entgegen kommt.  

Die Plöckenpassstraße erreiche ich schon nach kurzer Zeit. Hier gilt es nun eine Entscheidung zu treffen, wie ich meinem Weg fortsetzen möchte. Ich verzichte auf den kleinen Pal und den Cellon, denn der Weg wäre mir zu anspruchsvoll. Ich möchte ja schließlich auch einige Streckenteile laufen und nicht nur kraxeln.

Somit geht es ab Richtung obere Spielbodenalm, wo ein Abzweig zum Polinik (Rundweg 4 km 500 hm), ein Gipfel auf 2331 m möglich wäre. Ich verzichte darauf, denn mein Plan für heute sieht anders aus. Ich folge den Almwiesen und langsam wird aus dem Almweg ein schmaler grasiger Trail.  Ich genieße die Natur, während der Trail immer schmaler wird. Bei Regen wäre ich hier etwas vorsichtiger, denn rechts von mir fällt das Gelände etwas steiler ab. Kurz vor dem Anstieg zum Köderkopf fällt mir meine Trinkflasche aus dem Rucksack und natürlich, wie sollte es anders sein, direkt in einen Kuhfladen.  Zum Glück ist eine Wasserquelle in der Nähe, so dass ich diese zumindest abspülen kann. Trinken werde ich die nächsten 2 Tage nur noch aus meiner Trinkblase.

Natürlich lass ich mir durch sowas die Stimmung nicht vermiesen und steige voller Freude zum Köderkopf auf, dessen Gipfel seit kurzer Zeit erst vom einem Gipfelkreuz geschmückt wird.

KHW Etappe 4Nun verläuft der Karnische Höhenweg in leichten Auf und Ab auf einem Trail zur oberen Bischofsalm, die man auch schon von weitem sehen kann. Was man nicht sieht ist, dass man das ganze Tal auslaufen muss, weil eine Querung Richtung Almweg nicht möglich ist.

Genau am Scheitelpunkt zweigt ein Weg in Richtung „Hoher Trieb“  nach rechts ab. Leider habe ich diesen Abzweig nicht genommen, denn hier würde der etwas höher und unschwer zum hohen Trieb führen. Ich bin auf dem Karnischen Höhenweg geblieben und habe den „einfacheren“ Weg über die Bischofsalm zur Zollnerseehütte genommen.

Natürlich war ich viel zu früh an der Hütte, denn die Etappe hat bis jetzt gerade mal 4 Stunden gedauert. Nach einer kurzen Erfrischung auf der Hütte bin ich dann nochmal Richtung „kleiner Trieb“ gestartet. Der Wirt hat mir aber schon in Aussicht gestellt, dass ich den Gipfel wohl in 30 Minuten erreicht hätte.

Tatsache, der Aufstieg ist leicht, obenrum etwas luftig aber nicht schwer und nach 25 Minuten stehe ich am Gipfel und genieße die Aussicht. Ich überlege noch, ob ich über den „leichten“ Klettersteig auf den „Hohen Trieb“ rüber steigen soll, entscheide mich aber dagegen, weil ich mich ohne Klettersteigset zu unsicher dafür fühle.

Also steige  ich auf dem Aufstiegsweg wieder ab und erkunde noch etwas die Gegend, mache Fotos und kühle meine Füße in einem nahegelegen Bach ab. Danach lege ich mich in die Sonne und lasse den Tag ausklingen und plane meine morgige Etappe, die leider schon die letzte sein wird.

 

Der Karnische Höhenweg Tag 6 –  Zollnerseehütte – Tröpolach  

Trailkilometer  28  – 1871 hm

Sonnig und schön beginnt auch mein letzter Tag auf dem Karnischen Höhenweg. Der Weg an sich geht zwar noch weiter, aber Christine und ich wollen noch ein gemeinsames Wochenende im Gailtal verbringen, worauf ich mich sehr freue.
Zollnersee
Heute geht’s einfach los, wieder viele Almen, breite Trails ohne nennenswerte Schwierigkeiten. Um noch etwas Pep in die heutige Strecke  zu bringen, entscheide ich mich noch den Findenigkofel mitzunehmen. Der Weg dorthin zweigt nach dem Zollnersee rechts ab und verspricht eine wunderschöne und einfache Gratwanderung ohne Umwege, denn auf der gegenüberliegenden Seite treffe ich wieder auf den Karnischen Höhenweg, der parallel verläuft.

Nach einem kurzen Abstieg ist die Straniger Alm erreicht. Hier wäre auch eine Übernachtungsmöglichkeit gewesen, wenn ich auf die Zollnerseehütte verzichtet hätte und noch ca. eine Stunde weitergelaufen wäre.

Nun folgt eine Alm nach der anderen und Kühe ohne Ende stehen auf der Weide oder auf dem Weg, aber das kenne ich ja schon von der gestrigen Etappe. Wer möchte kann noch den Gugel, ein kleinen Grashügel mit Gipfelkreuz mitnehmen und ein paar Höhenmeter zusätzlich sammeln.

Ich folge dem Karnischen Höhenweg vorbei am Hochwipfel 2195 m, bis zum Rattendorfer Sattel. Hier entscheide ich mich ins Tal abzusteigen bzw. damit zu beginnen, denn es sind noch locker 20 km  bis nach Tröpolach.

An der Rattendorfer Alm, die genau auf der anderen Seite des Hochwipfels liegt, gönne ich mir eine Pause, mit auf der Alm hergestellten Leckereien und einer Hollerschorle.

Nach der Pause kaufe ich noch ein paar leckere Dinge auf der Alm und folge dann der Beschilderung Richtung Tröpolacher Alm. Dieser Weg wird merklich nicht so sehr begangen, die Markierungen sind manchmal schlecht sichtbar und der Weg nicht immer eindeutig erkennbar. Aber mit etwas Aufmerksamkeit geht’s dann schon!

Von der Tröpolacher Alm aus, kann man bis ins Nassfeld, einem nahgelegenem Skigebiet mit vielen Liften und Einkehrmöglichkeiten usw., blicken. Ich bin froh, dass ich  diesen Abstieg gewählt habe, denn auf den ganzen Trubel habe ich keine Lust.

Der nun folgende, fast 12 km lange Abstieg ist leider auch sehr langweilig. Eine Schotter – und später Teerstraße  führt mich bis nach Tröpolach, meinem persönlichen Ziel des Karnischen Höhenwegs!

Ich bleibe am Ortsschild stehen und halte kurz inne. Ich bin überglücklich jetzt hier zu sein und freue mich sehr, dass ich Christine später in Empfang nehmen kann.

Fazit

Warum macht man ein solches Projekt überhaupt?  Es ist weder ein Ultralauf über eine ewig lange Distanz noch ein Wettkampf. Am Ende erhält man keine Medaille und wird auch auf keiner Ergebnisliste geführt.

Aber darauf kommt es doch auch gar nicht an!!!

Für mich waren es 6 Tage, die mir die Möglichkeit gegeben haben, mich frei in der Natur zu bewegen und das einfach für mich alleine.

Völlig klar, am Abend auf der Hütte trifft man andere Menschen , aber auf dem Trail eben nicht. Ich konnte mich einfach in meinem Tempo fortbewegen, ich konnte die Gipfel, die ich sehen wollte mitnehmen oder es genauso gut auch sein lassen.

Eine solche Tour bedeutet Freiheit für den Kopf und den Köper sowie die Erkenntnis, dass man mit  einem Rucksack und 5 Kilo Gepäck locker eine oder auch mehr Wochen in den Bergen  unterwegs sein kann.

Ich habe viele Eindrücke und Erkenntnisse mit ins Tal gebracht, die mir im Vorfeld vll. gar nicht bewusst waren und mir nun als Denkanstoß dienen, wie z.B. die Tatsache, daheim mal wieder „auszumisten“ und Dinge die ich schon länger nicht mehr benutze, zu entsorgen, verkaufen oder verschenken.  

 

 

1 Kommentar zu "Der Karnische Höhenweg Teil 2"

  1. Hallo,ich bin diesen Weg anno 1991 gegangen anscheinend hat sich nichts geändert damals hatte ich den Weg noch bis zur Egger Alm fortgesetzt und der Abstieg durch die Garnitzenklamm war die Krönung dieser schönen Tour!

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