Hexenstieg Ultra 2017 – 218 km durch den Harz

Wie jedes Jahr im April veranstaltet Micha Frenz  von Meldeläufer.de den Hexenstieg Ultra 2017. Diese Jahr stand er unter dem Motto „Black Witch Edition“.  Mit einer neuen Streckenführung rund um Thale und auf dem Rückweg nach Osterode sind die Ansprüche an uns Läufer nochmal deutlich gestiegen.

Es stehen 3 Strecken zur Auswahl:

  • Die Königsdistanz von 218 km von Osterode nach Thale und zurück
  • Der Hexenritt mit 108 km von Osterode über den Brocken nach Thale
  • Der Hexentanz mit 108 km von Thale nach Osterode auf der Brockenumgehung

Ich haben mich für die 218 km Distanz entschieden. Im Jahr 2104 bin ich bereits den Hexentanz auf der „alten“ Streckenführung gelaufen. In den folgenden 2 Jahren war ich jeweils für die 218 km Distanz gemeldet, konnte aber in beiden Jahren aus gesundheitlichen Gründen  nicht starten.

Aber alle guten Dinge sind ja bekanntlich 3!!!

Die Anreise

Nachdem Christine und  ich am Freitag noch arbeiten mussten, konnten wir erst nach 15 Uhr in München aufbrechen. Wie nicht anders zu erwarten, waren die Autobahnen im Hinblick auf das „lange Wochenende“ richtig voll. Wir haben für die 550 km in den Harz 7 Stunden gebraucht. Der absolute Wahnsinn.

Nach einem kurzen Ratsch im Hotel gab es noch einen kleinen Snack beim „gelben M“ bevor wir fix und fertig ins Bett gefallen sind. Einschlafen fiel uns beiden schwer, da wir voller Vorfreude waren.

Vor dem Lauf

Um kurz nach 4 klingelt mein Wecker. Ich fühle mich unfit, es ist noch dunkel draußen und ich bin nach nur 4 Stunden Schlaf einfach noch im Schlummermodus. Ich zieh meine Laufsachen an, den Rucksack hatte ich am Vorabend schon gepackt und gehe zum Frühstück.

Die Hotelbesitzer hatten für uns Läufer des Hexenstieg Ultra 2017 ein kleines Frühstück  mit Kaffee, Semmeln, Marmelade, Käse und Wurst bereit gestellt. Ich bin sehr froh darüber, denn oft bekommst du als Läufer bei so frühen Startzeiten  kein Frühstück und kein Kaffee im Hotel.

Als ich zurück ins Hotelzimmer komme, wartet Christine bereits auf  mich. Sie ist auch so früh aufgestanden um mich die 2 km zum Start zu fahren, was ich ihr sehr hoch anrechne.

Danke mein Schatz :-* 

Im Startbereich, vor dem Hotel „Harzer Hof“ tummeln sich schon viele meiner Mitläufer. Ich begrüße einige bekannte Gesichter, trinke noch gemütlich einen Kaffee und halte  noch etwas Smalltak mit den anderen.

Micha beginnt nun mit der Ausgabe der GPS Tracker, die es möglich machen, unsere Position im Internet live zu verfolgen.

Die Ausgabe dauert etwas länger als erwartet, so dass wir um 6 Uhr gemeinsam vom Harzer Hof bis zum Start wandern (ca 1,5 km).

Micha hält noch eine kurze Rede vor dem Start. Ich kann leider nicht mehr alles wiedergeben, aber was mir in Erinnerung geblieben ist: Die Hexe – Hexenstieg Ultra 2017 funktioniert nach dem Motto „killing me softly“. Was er damit gemeint hat,  konnte ich dann im Verlauf der nächsten Stunden am eigenen Leib erfahren….um 6:30 Uhr ging es dann los…

Der Hinweg von Osterode nach Thale – 108 km

Hexenstieg Ultra 2017

Zwischen km 10 und 20 Bild gemacht von Eckardt Seher

3…2…1 Los! Der Trott setzt sich in Bewegung. Wie es sich für einen richtigen Ultra gehört geht es nach dem Start erst einmal bergauf. Wenn man uns so sieht, würde man uns für eine lustige Wandergruppe halten. Alle wandern sehr verhalten aus dem Ort hinaus. Warum sollten wir denn auch Stress machen, wir haben ja noch viele Kilometer und Stunden vor uns.

Auf Wald- und Wirtschaftswegen führt uns der Hexenstieg Ultra 2017 nun die ersten Trails und dem VP 1 bei KM 19 entgegen. Ich laufe in den ersten 2 Stunden mit unterschiedlichen Läufern zusammen, halte mal hier ein Ratsch und mal da ein Ratsch, sodass diese 19 km wie im Flug vergehen.

Ich freue mich sehr auf den VP 1, da ich hier meine Christine  nochmal treffen werde. Danach werden wir uns wohl erst wieder im Ziel sehen.

Nach dem VP 1 läuft es richtig gut. Die Strecke ist super laufbar . Ich treffe auf Sebastian und Holger, die ein gutes Tempo laufen. Ich schließe mich den beiden an und wir bilden eine Gruppe, die von nun an bis ins Ziel beieinander bleiben sollte, was zu diesem Zeitpunkt aber noch keiner ahnen konnte.

Hexenstieg Ultra 2017

Bild gemacht von Eckardt Seher

Wir treffen in Torfhaus am 2.VP ein – es  ist ca 10:30 Uhr. Wir füllen unsere Flaschen und essen noch etwas um genug Energie für den Aufstieg zum Brocken zu haben.

Von weitem ist er schon zu sehen, der Brocken –  mit 1141,2 der höchste Berg im Norden Deutschlands und des Mittelgebirges Harz. Doch bevor es auf den Brocken hinauf geht, müssen wir zuerst zur „Eckertalsperre“ absteigen. Dieser Stausee hat einen Innerdeutschen  geschichtlichen Hintergrund. Zur Zeit der Teilung Deutschlands verlief die innerdeutsche Grenze mitten durch Stauraum und Staumauer; diese war auf der Westseite nur zu etwa zwei Drittel öffentlich zugänglich.  

Nach dem Überqueren der Staumauer bot sich unserer 3er Gruppe der Weg über den Plattenweg zum Brocken. Der Plattenweg ist eine alte Militärstraße, heute tummeln sich hier Wanderer, MTB´ler und eine Hand voll Ultraläufer.

Hexenstieg Ultra 2017

Blick auf den Brockengipfel Bild gemacht von Eckardt Seher

Wir treffen um halb 2 auf dem Brockengipfel ein. Es ist ganz schön frisch hier oben, aber  was wirklich kalt ist, sollten wir später noch erfahren.

Wir entschließen uns, im Restaurant auf dem Brocken kurz Pause zu machen. Zuerst wollten wir eine Cola kaufen, jedoch empfanden wir 4 € für eine kleine Cola als zu teuer- also plünderten wir unsere Vorräte aus den Rucksäcken. Nach einem kleinen Snack gings flott weiter.

Jetzt geht es schön den Berg auf der gegenüberliegenden Seiten, zuerst über eine Teerstraße mit vielen tollwütigen Randfahrern, später dann über Trails und Waldweg zum Bahnhof „Drei Annen Hohne“. Am dortigen Kiosk gab´s dann die Cola für 1,50 € – was 11 km  am Preis ausmachen können.

Getreu dem Motto: „Wer rastet, rostet“ geht´s zügig weiter Richtung Bodetalsperre. Generell gibt’s hier etliche Stauseen die ich gar nicht mehr alle mit dem Namen nennen kann.

Entlang des Flusses Bode laufen wir nach Rübeland. Hier haben wir schon  79 km geschafft. Um 17:30 Uhr laufen wir im Cafe Tannengrund, dem nächsten VP ein. Wir treffen auf die beiden Führenden des Hexenritts, die  eine Stunde nach uns gestartet sind und uns am Brocken überholt hatten.

VP Hotel Bodeblick. v.l. Holger, Sebastian, Andy

Nun führt uns der Trail durch das Bodetal. Rechts türmen sich Felsen auf und links von uns fließt die Bode. Die Wege sind mal mehr mal weniger steinig, Holger macht die Pace für uns.  Läuft!

Wir erreichen den letzten VP bevor wir dann in Thale eine längere Pause machen wollen. Wir genießen nochmal Suppe zum aufwärmen, bevor wir die nächsten 11km unter die Füße nehmen.

Langsam aber sicher setzt die Dämmerung ein. Wir reden zwar nicht darüber, aber ich denke wir haben alle 3 das selbe Ziel: Wir wollen Thale noch erreichen bevor wir die Stirnlampen auspacken müssen.

Kurz vor Thale Bild von Eckardt Seher

Kurz vor Thale steigen wir in eine wunderschöne Schlucht ab. Ich bin sehr dankbar, dass wir hier noch in der angehenden Dämmerung laufen dürfen, denn der Weg ist recht steinig und außerdem zeigt sich die Natur hier von Ihrer schönsten Seite.

Der Weg führt raus aus der Schlucht, rechts ist auch schon die Jugendherberge, unser nächstes Zwischenziel, zu sehen.  Nur noch über die Brücke… Ne ne ne …. Micha hat sich für den Hexenstieg Ultra 2017 was schönes einfallen lassen.

Der Track führt uns links noch einmal einen Anstieg nach oben. Dort angekommen laufen wir über ein MTB Trail wieder nach unten und durch die Stadt zurück zur Jugendherberge. In Summe war diese Extrarunde nochmal 3 km lang.

Der Rückweg von Thale nach Osterode – 108 km

Im VP werden wir sehr  herzlich empfangen. Es gibt allerlei Köstlichkeiten zu Essen und zu Trinken. Ich ziehe mich zuerst um, denn hier stehen uns die Dropbags zur Verfügung.  Ich telefoniere noch kurz mit Christine und freue mich sehr ihre Stimme zu hören.

Hier in Thale ist die Stimmung der Anwesenden sehr unterschiedlich. Der Sieger des Hexenritts ist schon mit dem Taxi weggefahren,  einige Läufer, die auf der langen Strecke unterwegs waren, aber leider aufgeben mussten, sind hier gestrandet.

Unter anderem auch Ralf, der leider die falschen Tracks auf dem GPS hat und nur mit viel Mühe nach Thale gekommen ist. Er wird sich ab jetzt unserer Gruppe anschließen, denn wir haben ja 2 GPS Geräte mit den korrekten Tracks. 

Somit sind wir ab sofort als 4er Gruppe auf de Hexenstieg Ultra 2017 unterwegs.

Als wir loslaufen, ist es schon merklich kälter. Wir haben aber sofort den Aufstieg zum Hexentanzplatz vor uns, der uns wieder ins schwitzen bringt.  Ca 9 km sind es, bis wir wieder im Bodetal ankommen und nochmal  in den Genuss des VP´s im Hotel Bodeblick kommen.

Hier ist ganz schön was los. Wir treffen einige Hexenrittler und Hexenstiegläufer die auf dem Weg nach Tahle sind. Wir essen und trinken nochmal ordentlich, bevor es in die Nacht geht. Es liegen nun ca. 34 km ohne VP vor uns. Diese Strecke wird uns die ganze Nacht kosten.

Es wird von Minute zu Minute kälter. Wir laufen,  denn stehen bleiben ist keine Option. Sobald wir nur wenige Minuten stehen  bleiben, kühlen wir sofort aus. Das Thermometer zeigt -2 Grad, gefühlt sind es -6!

Am frühen morgen erreichen wir den VP Grüne Tanne Mandelholz. Wir hoffen, dass wir uns dort in den Räumen aufwärmen können und erst mal ein Frühstück zu uns nehmen werden.

Leider werden unsere Hoffnungen enttäuscht und wir werden auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Der VP ist in einem Pavillon im Freien und es gibt nur einen Stuhl. Aber es gibt Decken, die wir uns über werfen um nicht komplett auszukühlen.

Nach eine kurzen  Stopp  machen wir uns weiter auf den Weg, Nun folgen die harten Passagen des Rennens. Die Energie im Körper schwindet und es folgen eine Reihe harter Anstiege dazu ein ständiges Auf und Ab.

Die Nacht ist vorbei und langsam beginnen wir wieder miteinander zu Reden. In den letzten Stunden hatten wir nur die nötigsten Worte gewechselt.

Der Wurmberg ist mit 971,2 m der zweithöchste Berg des Mittelgebirges Harz und der höchste Berg Niedersachsens, den gilt es nun von Schierke aus zu bezwingen. Über 3 km zieht sich der Anstieg bis wir den Gipfel mit der Alm und der Skisprungschanze erreichen.

Auch beim Abstieg wir uns nichts geschenkt. Über eine Skipiste geht es nahezu direkt bergab. Ich spüre mittlerweile die Ermüdung in meinen Oberschenkeln.  Aber es hilft ja nichts, The Show must go On.

Auf – Ab – Auf -Ab-Auf- Ab-Auf und wir erreichen nach 24 km den VP in St. Andreasberg. Ich bin sooo froh  endlich mal wieder sitzen zu können. Eine Genugtuung für meine Beine.

Hier Stärken wir uns nochmal mit Pasta  und Süßigkeiten. Das war dann auch der letzte große VP. Nun soll es nur noch 2 Wasserstellen geben, bis wir wieder zurück in Osterode ankommen.

In St .Andreasberg registriere bzw. erfahre ich zum ersten mal, dass wir, also unsere 4er Gruppe, auf Platz 2 im Rennen liegt.

Sehr Cool, denke ich mir! Das setzt dann auch nochmal neue Energie frei und wir machen uns gemeinsam auf den Weg.

Erst mal steigen wir auf zur Wolfswarte, eine aus verwittertem Acker-Bruchberg-Quarzit bestehende, waldlose Kuppe. Danach geht’s wieder ein Stück runter,

Sebastian war die Strecke im Training bereits abgelaufen und meinte: „Jetzt kommt nur noch ein großer Hügel und noch ein Hügel, dann geht’s nur noch bergab“.

Also gut, so nehmen wir Hügel Nummer eins und Hügel Nummer zwei unter die Füße. 

Prinzipiell lief es gut, jedoch kurz vor der Hanskühnenburg wird der Weg plötzlich schlechter, deutlich schlechter. Wir springen von Stein zu stein, da dazwischen immer wieder Matschpfützen sind. Alles ins allem ist dieser Weg, nach fast 200 km in den Knochen, echt schwer zu gehen.

Wir erreichen die Hanskühnenburg  wo nochmal ein kleiner Snack und Wasser zum auffüllen der Flaschen auf uns wartet.

Die letzten 13 km sollten es dann nochmal in sich haben. Der Weg mit Steinen und Matsch bleibt uns noch 5 km erhalten, dazu kommt noch ein recht steiniger Downhill, der uns dann auf einen breiten, gut laufbaren Forstweg führt.

Nun können wir es laufen lassen! Wir holen nochmal die letzten  Reserven aus unseren Beinen und laufen was das Zeug hält.

Wir erreichen Osteroder, nun  sind es noch ca. 3 km durch die Stadt.

Wir laufen in einer Reihe auf das Ziel, das Hotel Harzer Hof, zu. Unsere liebsten, und viele liebe Unterstützer*innen des Laufs und Läufer, die leider schon aus dem Rennen waren, warten bereits auf uns.

Ich sehe schon von weitem meine Christine und umarme sie als erstes. Ich freue mich so sie zu sehen.

Danach klatschen wir uns ab. Wahnsinn 35:13 Stunden, das hätte im ich im Leben nicht gedacht, dass ich es schaffe, so eine schöne Zeit zu laufen, war doch mein Ziel unter 40 Stunden zu bleiben.

Fazit 

Ich muss ehrlich sagen, dass ich ein solches Rennen, wie den Hexenstieg Ultra 2017, noch nie in einer Gruppe gelaufen bin. Bislang war es immer so, dass ich zeitweise mit anderen zusammen gelaufen bin, aber die Wege sich irgendwann wieder getrennt haben.

Bei Holger, Sebastian und mir hat es einfach super gepasst. Wir waren ähnlich schnell unterwegs, hatten unbewusst gleich lange Pausenzeiten und wenn mal einer etwas langsamer war, wurde gewartet. Ralf hat sich dann auf der Rückrunde super an die Gruppe angepasst.

Ich denke, dass genau dieses Teamgefühl, der Schlüssel zum Erfolg war.  So konnten wir uns gegenseitig bei Tiefs motivieren, das gleichmäßige Tempo sorgte dafür, dass keiner von uns über seine Leistungsfähigkeit drüber ging.

Kurz und knapp: Er war ein mega geiles Rennen mit euch Jungs!!!! Danke für super 35:13 Stunden!!!!  Und das wir auf den 2. Platz gelaufen sind, hätte ich niemals zu träumen gewagt!

Infos zum Trail:

Im Internet: https://www.meldelaeufer.de/events/hexenstieg-2017-18/

Veranstaltungsort: Hotel Harzer Hof – Osterode

Strecken zum nachlaufen:

Osterode – Thale (Hexenritt)

 

Thale – Osterode (Hexentanz)

 

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